Elina Vähälä, Niek de Groot: Duos for violin and double bass

With each of his recordings, Dutch double bassist Niek de Groot continues to make the extremely persuasive argument that there simply isn’t anything that his instrument cannot do. He is joined by the formidable Finnish violinist Elina Vähälä for an album of astonishingly varied compositions for this most unlikely of pairings.

Each of the composers chosen here wisely resisted the temptation simply to exploit the obvious contrasts between the violin and bass. Instead, there is a multitude of fascinating approaches to the question of how to make these diverse sounds blend together. Krzysztof Penderecki’s surprisingly accessible Duo concertante employs the full spectrum of technical and percussive fireworks without resorting to low rumbling or high-pitched harmonics for their own sake.

Korean composer Isang Yun’s Together meanwhile explores the yin and yang principles through a constant exchange of motifs that explore the extremes of range and dynamics. Beginning with pulsing of open strings and stacked 4ths, Finnish violin virtuoso Jaakko Kuusisto’s Miniö has a more open-ended, warm and improvisatory feel than Alfred Huber’s (Re)Actio, which can feel overly academic in its exploration of war. With such an admirable breadth of styles being explored, there are inevitable dips in quality, though Groot and Vähälä are never less than attentive and eloquent in their approach. The best is left till last with Wolfgang Rihm’s Dyade which, in its evocation of myriad moments of harmony and conflict, has a sophistication worthy of the best musical dialogues.

2018-05-17 Tim Short (The Strad)

Der Komponist Alfred Huber im Gespräch

Doktor Faustus

Irgendwann im Leben muss man sich entscheiden, das kapiert sogar Goethes Faust. Wenn man sich die Biografie von Alfred Huber ansieht, dann wirkt es allerdings so, als hätte er diesen Rat für den geradlinigen Lebenslauf nicht so ganz ernst nehmen wollen. Der 55-jährige Österreicher, der bei Kempten lebt, ist Arzt und Komponist. Er betreibt eine Praxis für neurochirurgische Wirbelsäulen- und Schmerztherapie und war zuletzt Composer in Residence des Wiener Concertvereins. "Ich habe früher nicht viel Schlaf gebraucht", sagt er. Und: "Ich habe mich schon entschieden. Nur für beides."

In München wird nun sein Opus 33, "Faustus", für Streichorchester, Orgel und Pauken uraufgeführt. Eigentlich sollte das schon im März geschehen, da zog sich der Solist und Auftraggeber der Komposition, der Münchner Organist Stefan Moser, einen doppelten Bandscheibenvorfall zu, weshalb Alfred Huber von dessen Komponisten zu dessen behandelndem Arzt wurde, denn auf Rückenleiden ist er als Mediziner spezialisiert.

Als Musiker sucht Huber nach dem Sinnlichen und Analytischem gleichzeitig. Neue Musik, die allzu sehr konstruiert ist, liege ihm nicht, die reine Struktur reiche nicht aus, für das transzendente Moment hinter der Musik. Plump historisierend komponiert er jedoch auch nicht. Alban Berg sei ihm näher als Arnold Schönberg, sagt er dazu. Und fast weht einen an dieser Stelle auch schon wieder so etwas Faustisches an, wobei sich Hubers persönliche Faszination mit diesem Stoff eher bei Thomas Mann begründet. Dessen Spätwerk "Dr. Faustus" habe er mit 15 Jahren gelesen, und das Schwanken des Protagonisten Leverkühn zwischen Theologie und Musik habe ihn dazu beflügelt, zu sagen: Medizin und Musik, warum nicht!

In Wien hat er dann erst einmal Medizin studiert, gleichzeitig aber in seiner Geburtsstadt Linz als Gast Tonsatzkurse am Bruckner-Konservatorium gehört. Später, nach dem Abschluss seines Medizinstudiums folgte ein ordentliches Kompositionsstudium am Landeskonservatorium in Feldkirch. Seitdem macht Huber beides. "Ich habe die eigene Praxis", sagt er, das gebe ihm Flexibilität. Im Moment arbeite er bis in den frühen Nachmittag als Arzt und anschließend bis zum Abend als Komponist. "Richtig ausbalanciert ist es aber nie", sagt er, doch er brauche beide Welten. Seine beiden Berufsgebiete befruchten sich. Die Frage, wie und warum Musik auf Menschen wirkt, lässt sich musikalisch-sinnlich erspüren. Und neurowissenschaftlich erforschen. Huber hat dazu schon Symposien und Festivals veranstaltet. Und auch beim Komponieren hat er diese Erkenntnisse im Kopf. Es gibt da faszinierende Ergebnisse. Etwa vom Musikneurologen Stefan Koelsch. Der hat Probanden verschiedene Kadenzen vorgespielt und gemessen, welches Areal im Hirn darauf anspringt. Beim Neapolitaner, der in der Musik Affekte wie Leid, Trauer und Schmerz symbolisiert, sprang im Hirn das selbe Areal an, das auch bei Schmerzpatienten aktiv ist. Für so etwas kann sich Huber begeistern. Auch, weil sich da plötzlich messen lässt, wie sich etwas Transzendentes hinter der Struktur in der Musik zeigt. Ob man diese Ergebnisse dann eins zu eins in Kunst übersetzen kann, bleibt allerdings ein Mysterium. Das passt aber auch zu Huber. Denn prinzipiell sei er eher ein skeptischer Mensch.

2018-05-14 Süddeutsche Zeitung (Rita Argauer)

Über jede Kritik erhaben

 Starke Stücke sind es allesamt auf dieser CD – sowohl die der prominenten Großmeister Krzysztof Perderecki, Isang Yun, György Kurtág, Erkki-Sven Tüür und Wolfgang Rihm als auch die von den wenig bekannten Komponisten Jaakko Kuusisto und Alfred Huber. Und jede der Kompositionen findet einen ganz eigenen Zugang zu dieser ungewöhnlichen Besetzung.

Heiße Empfehlung

Auch die Interpreten sind gehört, über jede Kritik erhaben. Die Geigerin ist Elina Vähälä, in Amerika geboren, in Finnland aufgewachsen und ausgebildet; inzwischen ist sie hier ganz in der Nähe, denn sie hat eine Professur an der Musikhochschule Karlsruhe. Der Kontrabassist, Niek de Groot, war langjähriger Solobassist des Royal Concertgebouw Orchestra. Seit 2006 ist er ausschließlich als Kammermusiker und Solist tätig und lehrt an der Folkwang Hochschule in Essen. Also: eine heiße Empfehlung, diese neue CD mit Duos für Violine und Kontrabass.

2018-01-25 Dorothea Bossert (SWR 2)

Festspiele setzen Reiner Kunzes Lyrik in Szene

.....Der musikalische Bogen war ebenso opulent. Nach Musik von Ernst Krenek, Hans Boll und unbekannten Meistern aus dem Schweriner Lautenbuch folgte eine Uraufführung von Alfred Huber: "Angekommen", op. 28 für zwei Gitarren, Sprecher und Zuspielungen. Der Linzer hat die hochemotionale Musik, die er zu Kunze-Gedichten komponiert hat, dem Schriftsteller gewidmet. Mal unterstützt sie das Wort, mal erzählt sie eigene kleine Geschichten. Die höchst anspruchsvolle und spannende Komposition reagiert intensiv auf das Wort Reiner Kunzes und verlangt Gitarristin Yvonne Zehner viel ab. Wie anders als von Reiner Kunze bekannt klang dessen feine Lyrik doch aus dem Mund eines Schauspielers: Intendant Peter Baumgardt, der Schauspiel in Wiesbaden studiert hat, setzte auf Dramatik und Theatralik. Die Verschränkung von Musik und Text war bisweilen kongenial.

2015-07-21 Passauer Neue Presse (Edith Rabenstein)

Wörthersee Classics: Wo sich Brahms und die Moderne entflammten

.....Heuer waren zwei Kompositionen aus der Feder des oberösterreichischen Neurochirurgen Alfred Huber zu hören, der auch Composer in residence des Wiener Concertvereins ist – der für die Auftragskomposition, eines neues Violinkonzert für Elena Denisova, dem Festival das ius primae noctis überließ. Huber, trotz fordernden Brotberufs alles andere denn ein Hobby-Komponist, ist für Kenner eine absolute Entdeckung.

 

Raffiniertes Spiel mit Erinnerungen

Seine Musik vermittelt zwischen traditionsverbundener Klanglichkeit und einem artistisch höchst verfeinerten harmonischen Balancegefühl, das durchaus die Position des Nachgeborenen verrät. Häufig klingt es in Hubers Musik, als ob sich da Analogien zur klassisch-romantischen Dur-Moll-Tonalität einstellen wollten. Sie stehen freilich immer in völlig neuen Zusammenhängen. Was dieser Musik zu architektonischer Klarheit verhilft, ist die Verwendung von prägnanten motivisch-melodischen Gestalten und klanglich-farbigen Zeichen, die auch beim ersten Hören einprägsam sind und ihren Wiedererkennungswert beweisen. So lassen sich althergebrachte Formen neu definieren – und der Hörer kann die dramaturgischen Fäden mühelos entwirren. Mit dem jungen Furiant-Quartett stand für das Quartett II ein ebenso engagiertes Ensemble zur Verfügung wie für die Novität: Denisova und der Concertverein unter Kornienkos Leitung hoben das „Enigma“ betitelte Violinkonzert aus der Taufe, das nicht so rätselhaft klingt wie der Name suggeriert. Im Gegenteil. In den raschen Sätzen gewinnt Hubers Musik manchmal die Energetik vergleichbarer Sätze von Schostakowitsch; zumal sich auch die exzellente Schlagwerkerin des Konzertvereins als ideale Partnerin der Violinsolistin erwies.

2014-06-17 Die Presse (Wilhelm Sinkovicz)

Viel Beifall für eine kluge Tonschöpfung

Zum Abschluss luden die Wörthersee Classics zur Uraufführung von Alfred Hubers "Enigma".

So viel Beifall für die Uraufführung einer Komposition der Gegenwart ist erstaunlich. Sie war das Ungewöhnlichste beim Abschlusskonzert der Wörthersee Classics. Geschaffen hat sie der aus Linz stammende Komponist Alfred Huber (Jahrgang 1962), der im Allgäu den Beruf eines Neurochirurgen ausübt. Aus der Taufe gehoben hat das kluge wie eingängige Violinkonzert "Enigma" Festival-Intendantin Elena Denisova. Wie der Titel andeutet, geht es dabei wohl um Rätselhaftes, was, wie der Komponist in einführenden Worten erklärte, auch mit Freiheit zu tun hat. Hubers Appell zur Uraufführung seines rund 12-minütigen Stückes: "Gehen Sie sorgsam um mit unserer Mikrofreiheit!"

 

Was auch geschah, denn Denisova konnte mit Dynamik und sensibler Phrasierung im Zusammenspiel mit dem Wiener Concert-Verein Räume von heiterer Selbstbestimmung öffnen. Beginnend mit einem lockeren Gewitter zwischen Soloinstrument, Schlagzeug und Horn, das sich Zug um Zug mit den einzelnen Instrumentengruppen verdichtet. Der Ansatz, "Tonhöhenreihen herzustellen" und diese in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, kam an. Denn die musikantische Aufbereitung schuf eine beschwingte Atmosphäre mit anmutigen Linien und Flächen. Der von der Percussion eingeforderte Rhythmus schuf Umrisse einer Grundgestalt, innerhalb derer sich melodische Sequenzen formierten. Der ruhige und langsamere 2. Satz lud zu meditativer Schau ein und der beschwingte letzte Satz, mit lyrischem Solo, überzeugte vollends. Großer Applaus, der eine Zugabe Denisovas zur Folge hatte.

2014-06-15 Kleine Zeitung (Willi Rainer)

Der Komponist als Arzt, der Arzt als Komponist

Zwischen Farbeimern

"….Ebenfalls einen Hauch Werkstatt-Atmosphäre hat die Uraufführung von Alfred Hubers spannungsvoller Sonate "Impossibile" mit Katharina Gross am Cello, Sibilla Konstantinova am Klavier und Arnold Marinissen an der Percussion. Mechanisch treibender Grundcharakter trifft auf innige Steigerungen, es schnalzt und fetzt, explodiert und verklingt.

Ein aufregender Besuch zwischen Farbeimern und frischem Putz."

2013-07-16 Passauer Neue Presse (Dorothea Walchshäusl)

Vychod..Lichter zeigen an den Tag Gelungene Eröffnung: Die europäischen Wochen wagen mit Alfred Hubers Zyklus „Vychod“ erstmals zum Start eine Uraufführung.

„...Erstmals wurden zum Eröffnungskonzert eine Uraufführung geboten: Vychod...Lichter zeigen an den Tag von Alfred Huber. Und der österreichische Komponist schuf ein Gesamtkunstwerk.....Unter dem Dirigat von Alisja Mounk erklang Hubers symphonische Musik in plastischer Fülle....Die Zerrissenheit ist ästhetisches Programm in Vychod, die stete Gefahr des Auseinanderfallens in disparate Einzelelemente ist ins Werk hineinkomponiert. Im letzten, mit „Liebe“ überschriebenen Satz, dann die große Synthese, die Chor und Orchester miteinander eingingen. Hier brach sich die Hoffnung Bahn, Hoffnung auf bessere, gemeinsame Zeiten in Europa.“

2012-07-02 Süddeutsche Zeitung (Eva Mackensen) 

Cognition II

Italienische Erstaufführung der Cognition II

Le composizioni di Alfred Huber vengono apprezzate particolarmente e ci ricordano a tratti confusione, salite e discese in un intercalare armonioso, controllato e disciplinato.

2010-10-14, Messaggero veneto (Matteo Bellotto)

Haben Sie sich wohl überlegt, was Sie geschrieben haben ? Hinweise halfen beim Hören  

...Parallelen hatte Zeitklänge Veranstalter Dr. Alfred Huber entdeckt zwischen der Situation Robert Schumanns um 1850 (von Schumann stand sein mitreißendes Klavierquintett op. 44, ebenfalls auf dem Programm) und der die Avantgarde beherrschenden Musikphilosophie Adornos nach 1945: Subjektivität des Kunstwerks war ein Unwort damals. Die Fronten hätten sich in den letzten Jahrzehnten aber gelockert. Er selbst als Komponist habe sich aus den kollektiven Zwängen des Zwölftonsystems gelöst, unterstrich Huber in seinem Vorwort zur Kemptener Erstaufführung seines Streichquartetts Nr. 1 op. 2, das den Abend eröffnete. Ein kurzes einsätziges Stück (1993), das die vier Herren des Enesco Quartetts als intensives Gespräch mit erregenden Spannungen und Entspannungen darstellten

2008-03-04, Allgäuer Zeitung (IRMTRAUD BRUNK)

Quatour Enesco Erfreulich faszinierende Lehrbeispiele

Damit war auch sein eigenes knappes Streichquartett op. 2 einbegleitet, vor 15 Jahren noch unter der Obhut seines Lehrers Herbert Willi am Konservatorium entstanden. Das Werk zeigt auf der Suche nach neuen Strukturierungsmöglichkeiten bereits eine sehr persönliche Handschrift, spannende Entwicklungen und einen Sinn für Wirkung.

2008-02-29, Vorarlberger Nachrichten (Fritz Jurmann)

Ein Francois Villon Abend - Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund

Expressive Huber-Lieder

Der expressive Vortrag der Huber-Lieder, in ihrer rhythmischen und harmonischen Zerrissenheit stark mit den übrigen, spätromantischen Kompositionen kontrastierend, war eine wahre Glanzleistung. Als Zugabe gaben Dubosc und Rucli ihrem Publikum Faurés herrliches «Après un rêve» mit auf den Heimweg.

2007-02-25, Lichtensteiner Volksblatt

Das Leben aus ironischer Distanz

Feldkirch (VN) Eine glänzende Programmidee beim neuerdings zum „Forum Zeitklänge“ mutierten „Forum Feldkirch“, die singulären Balladen des spätmittelalterlichen französischen Dichters Francois Villon in Lesungen und Vertonungen mit einander zu verschränken. Ein zahlreiches Publikum bejubelte am Donnerstag auf der Schattenburg die ebenso hochkarätige Umsetzung dieser Idee. Francois Villon (1431 - 1463) war ein „bunter Hund“, in seinen bis heute aktuellen Texten voll beißender Sozialkritik das Urgestein aller Liedermacher. Ein aufmüpfiger Geist seiner Zeit, der sichselbst, das Leben und sogar den Tod stets aus ironischer Distanz betrachtete.

 

Deftige Sprache :

Michael Köhlmeier machte das in einem zentralen Leseblock mit einem sehr persönlichen Zugang deutlich, vertiefte sich in die deftige Sprache. Der Hauptanteil dieses Abends aber gehörte zwei exzellenten Musikern, die ihr schwieriges, umfangreiches Programm mit bestechender Kompetenz ausstatteten. Die Pariser Sopranistin Catherine Dubosc verfügt über so viele Fassetten gestalterischer und stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten, dass man bei ihrem französisch gesungenen Repertoire auch ohne Blick in die aufgelegten deutschen Texte den Gehalt der Lieder erahnen konnte. Ihr italienischer Klavierpartner Andrea Rucli zauberte dazu eine Fülle von Farben aus dem Flügel in die allzu trockene Akustik. Drei naturnahe Bilitis- Chansons nach Pierre Louys durch Claude Debussys impressionistischen Spiegel, das neunteilige „ La bonne chanson“ nach Paul Verlaine von Gabriel Faurés, drei „Melodies“ nach Cecile Sauvage von Olivier Messiaen - sie bereiteten die Stimmung für den Villon-Teil mit Debussys Vertonungen und dem Höhepunkt

des Abends.

 

Willi-Schüler :

Das war eine Uraufführung von vier Liedern nach Texten von Villon des gebürtigen Linzers und einstigen Willi- Schülers Alfred Huber. Faszinierend,

wie punktgenau er in seiner expressiven Musiksprache die Ironie, den Gehalt

der Texte trifft, wie er den Klavierpart ungemein eigenständig behandelt, der Sängerin extreme Spannweiten und dynamische Spagate zumutet. Ein Werk, das man gerne ein zweites Mal gehört hätte!

2007-02-23, Vorarlberger Nachrichten (Fritz Jurmann)

Ein Forum für Francois Villon in Wort und Klang

......Nach der Pause führte nun endlich Michael Köhlmeier in die Welt Villons ein. Es folgten Lieder von Olivier Messiaen nach Texten von Cécile Sauvage, denn der französische Meister ist ein Vorbild des Komponisten Alfred Huber. Von diesem erklangen nun als Herzstück des Konzertes vier Lieder nach Texten Villons in der Übertragung Paul Zechs. Schüler von Herbert Willi, entwickelte Huber für diese Lieder eine sehr eigene und kraftvolle Tonsprache, die im Duktus des Gesanges an Kurt Weill erinnert, im Klavierpart jedoch äußerst farbenreich ist.

2007-02-23, Die Neue (Anna Mica)

Inspiriert auf Kuba - Neues Werk von Alfred Huber

Zeit zum Däumchendrehen hat es für Dr. Alfred Huber in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gegeben. Tagsüber muss der Mann zusammen mit einem Kollegen eine Arztpraxis in Kempten führen, am Abend brütet er dann über einem Bündel an Notenblättern. Huber hat quasi zwei Berufe - den des Neurochirurgen und jenen des Komponisten für zeitgenössische Musik. Damit man nicht missversteht: Das Komponieren ist kein halbherziger Zeitvertreib für Huber, der einst Tonsatz und Komposition am Bruckner-Konservatorium in Linz studierte. Er geht dieser Arbeit mit dem nötigen Ernst nach.

- Blick zurück, sein letztes Werk: Ein Streichquartett aus Hubers Feder feierte unlängst seine Uraufführung, in Feldkirch präsentiert vom Voces-Quartett. Drei Sätze (schnell, langsam, schnell) umfasst es, und Alfred Huber saß zehn Monate lang an vielen Plätzen dieser Erde, um sich inspirieren zu lassen. Zum Beispiel auf Kuba. Dort, sagt er, habe ihn natürlich der Rhythmus gefangen genommen - und auch beeinflusst. Ein Werk ist entstanden mit häufig wechselnden Tempi, das mitunter sogar zu swingen beginnt.

 

- Blick voraus, sein nächstes Werk: An Vertonungen zu Gedichten von Francois Villon sitzt Huber nun - und will die Arbeit im Dezember abschließen. Villon ist eine schillernde Person -im 15.Jahrhundert gewesen. Ein Dichter und Gelehrter einerseits, ein Vagabund andererseits, der letztlich vor dem Henker stand. Weshalb er sich intensiv mit dem Tod auseinander setzte. "Ein Thema", sagt Huber, "das auch mich als Arzt beschäftigt." 

-(Über-)Blick: Zu isoliert stehe die Neue Musik momentan da, kritisiert Huber, zu wenig werde sie im Kontext der Musikgeschichte gesehen. Weshalb oft Konzertsäle leer bleiben bei Uraufführungen. Huber: "Weil der Zuhörer zu schlecht vorbereitet wird."

-Blick aufs Allgäu: Das will der gebürtige Österreicher ändern - mit Konzerten, die in Kempten stattfinden sollen. Seine Idee: Einführungen und die Projektion der Partitur an die Wand während des Konzerts. Die Sopranistin, die die Villon-Vertonungen singen wird, steht schon fest: Catherine Dubosc.

2006-10-20, Allgäuer Zeitung (Freddy Schissler)

Degustazioni uditive.

Enoarmonie

Ipplis di Premariacco

Degustazioni uditive. Enoarmonie, sinestesie, sensazioni. Una nuova formula di spettacolo sposa l'alta vinificazione delle nostre terre con la grande musica da camera, nell'insolito progetto firmato dal pianista Andrea Rucli e dal musicologo Umberto Berti, per l'Associazione "Sergio Gaggia". Il primo, coinvolto anche in veste di amabile concertista. Il secondo, in quella di singolare "enorelatore". Già, perché nel salone di Rocca Bernarda del Sovrano Ordine Militare di Malta, a Ipplis di Premariacco, la serata proposta dal Quartetto d'archi Voces non si è limitata a una spirituale offerta musicale, ma si è agganciata ai piaceri del palato per creare in platea un insolito accostamento sensoriale.Ad ogni musica il suo uvaggio. Un esempio? Il Divertimento KV 138 di un Mozart sedicenne con la Ribolla gialla del 2005. Una pagina giovanile, spensierata ma non frivola, a tratti floreale, che ha un comune denominatore di piacevole freschezza con il calice paglierino, fragrante e pastoso.

 

Le introduzioni enomusicali di Berti sono alquanto fantasiose e stuzzicanti e accompagnano uno spettacolo di oltre due ore. I travolgenti rumeni Bujor Prelipcean (primo violino), Anton Diaconu (secondo), Constantin Stanciu (viola) e Dan Prelipcean (violoncello) eseguono poi il Quartetto n.11 op.95 di Beethoven, per un continuo incrocio di elementi arcaici e avveniristici. Il tutto, abbinato al bianco di punta dell'azienda, un Vineis del 2004. In sala c'è anche Alfred Huber, compositore austriaco che segue dal vivo l'apprezzata, prima esecuzione del suo Quartetto op.14, qui sposato a un rosso Centis del 2003. Chiusura con un brano di ampio respiro sinfonico, il Quintetto op.57 per pianoforte (Rucli) e archi composto da Dimitri Sciostakovitch nel 1941, anno in cui la situazione politica si rispecchia nella potenza corrosiva, mordace e pungente della partitura. In sinestesia con la grappa monovitigno di Picolit.

2006-10-09, Gazzettino di Udine (Daniela Bonitatibus)

Sul palco - Gerlinde Illich und das Ensemble plus Vorarlberg Musikalische Traumdeutung

Alfred Hubers "Nachtmusik" dominierte das Konzert des Ensemble Plus.

FRITZ JURMANN

Bregenz(VN) Selten einmal hat ein neues Stück Musik auf Anhieb beim Publikum und den Musikern so eingeschlagen wie die "Nachtmusik" des gebürtigen Oberösterreichers Alfred Huber aus Kempten. Die Uraufführung vor wenigen Tagen im Alten Landtagssaal, wohin das exzellente Ensemble Plus mit seiner "Sul Palco" Reihe übersiedelt war, wurde zum viel bejubelten und diskutierten Ereignis des Abends. Huber (42) betreibt eine Praxis als Neurochirurg, ist Vater von zwei Kindern und komponiert. Aus Zeitgründen freilich nur in der Nacht. So entstand in den vergangenen drei Jahren auch diese "Nachtmusik". Das Rüstzeug dazu holte er sich bei Herbert Willi am Landeskonservatorium, der die Uraufführung wohlwollend mitverfolgte: Aus einem Lehrer Schüler Verhältnis ist Freundschaft geworden, Huber war auch Stipendiat des Richard Wagner Verbandes Vorarlberg, der dieses Konzert finanziell unterstützte.

 

Spannend

Die "Nachtmusik" für Sopran und Streichquintett ist eine Art musikalisch aufgearbeiteter Traumdeutung. Das Werk fasziniert von Anfang an durch seine dicht geflochtenen, dunklen Streicherlinien, nimmt gefangen in der subtilen Ausdeutung zweier glühender chilenischer Liebesgedichte von Pablo Neruda, lässt aber auch die Angst der Nacht, das Aufschrecken aus Träumen miterleben. Das hochexpressive Stück erfuhr durch die Linzer Sopranistin Gerlinde Illich und das Ensemble Plus eine spürbar intensiv geprobte. spannende Wiedergabe.

 

Wenn auch im engeren Sinne nicht mehr "Sul Palco'', also "auf der Bühne", reihte sich dieser Abend nahtlos ein in diese Reihe klug gewählter Programme abseits ausgetretener Schienen für ein Publikum mit offenen Ohren und Herzen. Bettina Waldner-Barnay schuf dazu mit kompetenter Moderation eine aufnahmebereite Atmosphäre, am Beginn für das Werk eines weiteren Emigranten der Nazizeit, des vergessenen Wieners Karl Weigl (1881 1949). Seine fünf Lieder, die Gerlinde Illich mit Bernhard Ort am Klavier in geschmeidigen Linien luxuriös nachzeichnete, hätten in ihrer leuchtenden Farbpracht, ihrer spätromantischen Intensität glatt von Richard Strauss sein können. Das Septett von Adolphe Blanc bot jedem Musiker noch die Chance zu solistischer Entfaltung.

2005-02-26, Vorarlberger Nachrichten (Fritz Jurmann)

Wie ein Traum - Nachtmusik von Alfred Huber

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Schmidt

Bregenz Viele Geschichten und Filme verbinden die Nacht mit unheimlichen Erscheinungen: geheinmisvollen Geräuschen, dunklen Gestalten, albtraumhaften Gespenstern. Da verwundert es nicht, wenn heute eine Nachtmusik weniger als heitere Serenade aufgefasst wird, wie noch zu Mozarts Zeiten, sondern vielmehr als ein Medium, um komplexere Seelenzustände zu verarbeiten, auch Ängste.


"Meine Kompositionen haben sehr mit Angst zu tun", verrät jedenfalls Dr. Alfred Huber, Neurochirurg und Komponist aus Kempten, vor der Uraufführung seiner eigenen "Nachtmusik" bei einem Kammerkonzert des Ensembles Plus im Alten Landtagssaal in Bregenz. Ansonsten hüllt er sich in Schweigen, was das neue Werk anbelangt, das "vier Traumzustände" beschreibe und das in dreijähriger Arbeit entstand. Er möchte lieber die Musik sprechen lassen. Und die spricht in der Interpretation durch das Vorarlberger Ensemble Plus und die Sopranistin Gerlinde Illich eine sehr kraftvolle Sprache.

Eine Sequenz wilder Erregung eröffnet das Werk, kehrt an zentralen Stellen wieder und bildet quasi eine motivische Klammer. Dazwischen entfaltet sich eine ganze Palette suggestiver Klangbilder, die mit Vertrautem spielen, es aber doch in einen unvertrauten, ja letztlich rätselhaft bleibenden Zusammenhang stellen. So verarbeitet Huber Anregungen aus Klassik und Moderne, Jazz und Folk zu einer Musiksprache, die Vorbilder quasi psychologisch nutzt, sie verfremdet und zu traumähnlichen Sequenzen zusammensetzt. Die Deutung bleibt dem Hörer überlassen. Hilfestellung bieten lediglich zwei ebenfalls kunstvoll verschlüsselte Liebesgedichte aus der Feder Pablo Nerudas, um die die Musik kreist.


Schon die Besetzung des Werkes spielt mit Vertrautem und präsentiert doch Ungewöhnliches: Es verlangt Streichquintett und Sopran. Das Streichquintett ist dabei ein um den Kontrabass ergänztes Streichquartett, es wartet also nicht wie bei den großen Vorbildern der Gattung von Mozart, Schubert oder Brahms mit verdoppelten Violen oder Celli auf. Auch formal geht es ungewohnte Wege: Es fügt zwei Lieder durch eine großangelegte instrumentale Klammer zu einem einzigen Satz zusammen. Bei Arnold Schönberg, der in seinem Opus 10 eine Sopranstimme mit einem Streichquartett kombinierte, wies die Verquickung von Lied und Kammermusik noch nicht solche Symmetrie auf.


Hubers Musik bleibt stets der Emotion verpflichtet, zielt direkt aufs Gemüt, will mitreißen und nicht ein rein intellektuelles Vergnügen bieten. Damit fügt sie sich vortrefflich in den Rahmen des Konzertes. Das bietet noch ein Werk der französischen Romantik, ein qualitätvolles Septett von Adolphe Blance und einen erstaunlichen Liederzyklus des Alexander von Zemlinsky Schülers Karl Weigl. Letzterer schildert die Nacht als Raum für einsame Träumer. Diesem idealisierten Idyll stellt Hubers"Nachtmusik" quasi die komplexe Realität gegenüber: Träume können sanft, aber auch erschreckend sein.

2005-02-25, Allgäuer Zeitung (Klaus Schmidt)